Mittwoch, 20. Juni 2012
Was ist richtiges und gutes Deutsch?
gedankenerguesse, 18:40h
Den Name Bastian Sick habt ihr bestimmt schon mal gehört. Der hat u. a. das Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" geschrieben.
Ich mag dieses Buch nicht besonders, da viele Erklärungen einfach schwammig bis schwachsinnig sind. (ein Beispiel: Es heiße auf Deutsch korrekt: Etwas ergibt Sinn und nicht etwas macht Sinn, da machen nur für konkrete Dinge gebraucht werden sollte und nicht für abstrakte. Man könne ja nicht etwas Abstraktes machen. Dies sei ein Einfluss des Englischen, wo es ja "to make sense" heißt. Allerdings heißt es auf Deutsch auch "Spaß machen", "Freude machen" etc. pp. Das sind alles ebenfalls abstrakte Begriffe...)
Außerdem suggeriert das Buch, dass es so etwas wie falsches und richtiges Deutsch gibt. Und das stimmt nur zum Teil.
Zunächst einmal zum Wort "Standardsprache". Dieses Wort sagt nicht etwa aus, dass es sich um einen Standard handelt, der als besonders gut angesehen werden solte. Es sagt aus, dass es sich um eine standardisierte - und somit zu einem gewissen Grad auch künstliche - Sprachvariante handelt. Linguistisch gesehen gibt es nämlich keine Standardsprache, im Sinne einer einzigen korrekten Sprachform. Es gibt nur Varietäten. Sächsich, Bayrisch, Hessisch... das sind alles Varietäten der Sprachgruppe "Deutsch". Und allein schon die Frage, was alles zum Deutschen gehört, lässt sich nur sehr schwer beantworten. Viel häufiger wird eine Varietät zu der und der Sprache gezählt, weil das Sprechergebiet in dem Land liegt, in dem diese Sprache als Nationalsprache gilt. Aus linguistischer Sicht gibt es dafür aber dann kaum Gründe.
Es gibt nicht das eine korrekte Deutsch. Zu diesem Irrglauben führen auch unsere Freunde beim DUDEN-Verlag. Im Vorwort der Duden-Grammatik steht ja auch noch etwas vom "normativen Anspruch" den der DUDEN erhebt. Klar, der DUDEN ist DIE Referenz (zusammen mit dem Wahrig, der aber schon weniger gebräuchlich ist) der in allen Gebieten verwendet wird. Aber der DUDEN ist eben KEINE NORMATIVE Insitution. Der DUDEN hat nicht die Macht, vorzuschreiben, wie etwas verwendet werden soll. Er kann nur Empfehlungen aussprechen. Aufgrund seiner weiten Verbreitung hat er aber fast normativen Charakter, ob man will oder nicht.
Wie kommt der DUDEN nun zu seine Regeln? Nun, Sprache ist, wie das Wort impliziert, vornehmlich etwas Gesprochenes. Schrift wurde ja bekanntlich so vor ca. 6000 Jahren entwickelt. Aber gesprochene Sprache gabs davor ja schon wesentlich länger. Und die gesprochene Sprache ist nun das Maß aller Dinge. Denn das Einzige, was der DUDEN machen kann (auch wenn er es selber vielleicht anders hääte) ist ABZUBILDEN, WIE DIE MENSCHEN DIE SPRACHE IN DER GEGENWART VERWENDEN (im Fachjargon ist das eine synchrone Sprachbetrachtung, man schaut also, wie wird Sprache aktuell verwendet und nicht, wie wurde sie vor 400 Jahren im Vergleich zu heute verwendet).
Also: Wenn im Moment die Mehrheit der Deutschen sagen würde "Ich müssen dir helfen", und es von den meisten Menschen als korrekt empfunden würde, dann müsste der DUDEN dies als korrekte Form anerkennen und in die Grammatik aufnehmen.
Ein aktuelles Beispiel ist: Viele Menschen (darunter auch Akademiker und Politiker usw.) sagen Sätze wie:"Ich kann morgen nicht kommen, weil ich hab keine Zeit". NOCH steht im DUDEN, dass nach "weil" das Verb eigentlich ans Ende muss, also "Ich kann nicht kommen, weil ich keine Zeit habe". Allerdings wird die andere Variante in der aktuellen Grammatik schon als "umgangssprachlich" anerkannt. Und in ein paar Jahren, wenn sich die erste Form durchgesetzt hat (und das wird sie), wird sie als korrekte Form aufgelistet werden.
Denn was viele vergessen (oder nicht wissen): Sprache lebt und verändert sich. Was vor 300 Jahren als absolut falsch empfunden worden wäre, gilt heute als korrekt. Sprache und Sprachgebrauch ändern sich. Es gibt keine eine korrekte Sprachform.
Es kann gut sein, dass es in 100 Jahren als Standadform gilt, zu sagen "Ich hab keine Zeit". Dass also das "-e" am Ende von "habe" auch nicht mehr geschrieben wird. Und zwar, weil es immer häufiger nicht mehr gesprochen wird. Sprache folgt nämlich u. a. dem Ökonomieprinzip, das bedeutet, dass Formen oder Teile von Wörtern, die nicht mehr als wichtig empfunden werden oder als altmodisch, mit der Zeit aussterben. Das ist ein ganz normaler Vorgang.
Also: Der DUDEN ist nicht das Maß aller Dinge, sondern die gesprochene Sprache.
Wozu dient dann der DUDEN?
Nun, als Wörterbuch ist der DUDEN ziemlich gut. Keine Frage. Bei der Grammatik und allem Anderen ist es so: Der DUDEN kann dabei helfen, festzulegen, wie man schreiben und sich ausdrücken sollte, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen oder um in ganz Deutschland verstanden zu werden. Denn dazu dient eine Standardsprache letztlich: Sie legt eine Sprachform fest, die als Nationalsprache dient und von allen verstanden werden sollte.
Über dieses Thema kann man stundenlang schreiben. Ich habe hier nur einige wenige Punkte aufgegriffen, die mir am Herzen lagen.
Ich mag dieses Buch nicht besonders, da viele Erklärungen einfach schwammig bis schwachsinnig sind. (ein Beispiel: Es heiße auf Deutsch korrekt: Etwas ergibt Sinn und nicht etwas macht Sinn, da machen nur für konkrete Dinge gebraucht werden sollte und nicht für abstrakte. Man könne ja nicht etwas Abstraktes machen. Dies sei ein Einfluss des Englischen, wo es ja "to make sense" heißt. Allerdings heißt es auf Deutsch auch "Spaß machen", "Freude machen" etc. pp. Das sind alles ebenfalls abstrakte Begriffe...)
Außerdem suggeriert das Buch, dass es so etwas wie falsches und richtiges Deutsch gibt. Und das stimmt nur zum Teil.
Zunächst einmal zum Wort "Standardsprache". Dieses Wort sagt nicht etwa aus, dass es sich um einen Standard handelt, der als besonders gut angesehen werden solte. Es sagt aus, dass es sich um eine standardisierte - und somit zu einem gewissen Grad auch künstliche - Sprachvariante handelt. Linguistisch gesehen gibt es nämlich keine Standardsprache, im Sinne einer einzigen korrekten Sprachform. Es gibt nur Varietäten. Sächsich, Bayrisch, Hessisch... das sind alles Varietäten der Sprachgruppe "Deutsch". Und allein schon die Frage, was alles zum Deutschen gehört, lässt sich nur sehr schwer beantworten. Viel häufiger wird eine Varietät zu der und der Sprache gezählt, weil das Sprechergebiet in dem Land liegt, in dem diese Sprache als Nationalsprache gilt. Aus linguistischer Sicht gibt es dafür aber dann kaum Gründe.
Es gibt nicht das eine korrekte Deutsch. Zu diesem Irrglauben führen auch unsere Freunde beim DUDEN-Verlag. Im Vorwort der Duden-Grammatik steht ja auch noch etwas vom "normativen Anspruch" den der DUDEN erhebt. Klar, der DUDEN ist DIE Referenz (zusammen mit dem Wahrig, der aber schon weniger gebräuchlich ist) der in allen Gebieten verwendet wird. Aber der DUDEN ist eben KEINE NORMATIVE Insitution. Der DUDEN hat nicht die Macht, vorzuschreiben, wie etwas verwendet werden soll. Er kann nur Empfehlungen aussprechen. Aufgrund seiner weiten Verbreitung hat er aber fast normativen Charakter, ob man will oder nicht.
Wie kommt der DUDEN nun zu seine Regeln? Nun, Sprache ist, wie das Wort impliziert, vornehmlich etwas Gesprochenes. Schrift wurde ja bekanntlich so vor ca. 6000 Jahren entwickelt. Aber gesprochene Sprache gabs davor ja schon wesentlich länger. Und die gesprochene Sprache ist nun das Maß aller Dinge. Denn das Einzige, was der DUDEN machen kann (auch wenn er es selber vielleicht anders hääte) ist ABZUBILDEN, WIE DIE MENSCHEN DIE SPRACHE IN DER GEGENWART VERWENDEN (im Fachjargon ist das eine synchrone Sprachbetrachtung, man schaut also, wie wird Sprache aktuell verwendet und nicht, wie wurde sie vor 400 Jahren im Vergleich zu heute verwendet).
Also: Wenn im Moment die Mehrheit der Deutschen sagen würde "Ich müssen dir helfen", und es von den meisten Menschen als korrekt empfunden würde, dann müsste der DUDEN dies als korrekte Form anerkennen und in die Grammatik aufnehmen.
Ein aktuelles Beispiel ist: Viele Menschen (darunter auch Akademiker und Politiker usw.) sagen Sätze wie:"Ich kann morgen nicht kommen, weil ich hab keine Zeit". NOCH steht im DUDEN, dass nach "weil" das Verb eigentlich ans Ende muss, also "Ich kann nicht kommen, weil ich keine Zeit habe". Allerdings wird die andere Variante in der aktuellen Grammatik schon als "umgangssprachlich" anerkannt. Und in ein paar Jahren, wenn sich die erste Form durchgesetzt hat (und das wird sie), wird sie als korrekte Form aufgelistet werden.
Denn was viele vergessen (oder nicht wissen): Sprache lebt und verändert sich. Was vor 300 Jahren als absolut falsch empfunden worden wäre, gilt heute als korrekt. Sprache und Sprachgebrauch ändern sich. Es gibt keine eine korrekte Sprachform.
Es kann gut sein, dass es in 100 Jahren als Standadform gilt, zu sagen "Ich hab keine Zeit". Dass also das "-e" am Ende von "habe" auch nicht mehr geschrieben wird. Und zwar, weil es immer häufiger nicht mehr gesprochen wird. Sprache folgt nämlich u. a. dem Ökonomieprinzip, das bedeutet, dass Formen oder Teile von Wörtern, die nicht mehr als wichtig empfunden werden oder als altmodisch, mit der Zeit aussterben. Das ist ein ganz normaler Vorgang.
Also: Der DUDEN ist nicht das Maß aller Dinge, sondern die gesprochene Sprache.
Wozu dient dann der DUDEN?
Nun, als Wörterbuch ist der DUDEN ziemlich gut. Keine Frage. Bei der Grammatik und allem Anderen ist es so: Der DUDEN kann dabei helfen, festzulegen, wie man schreiben und sich ausdrücken sollte, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen oder um in ganz Deutschland verstanden zu werden. Denn dazu dient eine Standardsprache letztlich: Sie legt eine Sprachform fest, die als Nationalsprache dient und von allen verstanden werden sollte.
Über dieses Thema kann man stundenlang schreiben. Ich habe hier nur einige wenige Punkte aufgegriffen, die mir am Herzen lagen.
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