Mittwoch, 20. Juni 2012
Neue deutsche Rechtschreibung: ein kleines Tutorial. Teil 1: Getrennt- und Zusammenschreibung bei Verben
gedankenerguesse, 18:15h
So, seit August 2006 gilt ja schon die neue Rechtschreibung, wobei sich das Verständnis dafür noch immer nicht ganz durchgesetzt hat. Dabei hat die neue Regelung vieles vereinfacht und konsequenter geregelt als die alte.
Ich habe schon enige Tutorials zu diesem Thema gesehen, aber ich finde, sie alle schreiben immer genauso kryptisch wie der Dudenverlag selbst. Darum möchte ich mit diesem Tutorial (auch zur eigenen Praxis) versuchen, das Ganze etwas genauer zu beleuchten. (Und ganz klar: Ich bin auch nicht über jeden Fehler erhaben.)
Die Getrennt- und Zusammenschreibung ist dabei eines der Themen, das sicherlich am meisten Probleme macht. Deswegen fange ich damit an.
Ich unterteile das Ganze nach Wortarten.
SUBSTANTIV + VERB:
- Die Grundregel lautet: alles wird auseinandergeschrieben.
Davon gibt es ein paar Abweichungen, die nun beschrieben werden.
Verben können mit Substantiven untrennbare und trennbare Zusammensetzungen bilden.
- Untrennbar bedeutet, dass unabhängig von der Position im Satz, die Reihenfolge der einzelnen Bestandteile immer gleich ist.
- Trennbar bedeutet NICHT getrennt. Es bedeutet, dass bei diesen Verben nur im Infinitiv, den beiden Partizipformen und in Nebensätzen mit Verb-Endstellung zusammengeschrieben wird, sonst aber getrennt.
Was das Alles heißt, erkläre ich nun genauer.
UNTRENNBARE Zusammensetzungen:
Das sind Verben, wie "bergsteigen", "brandmarken", "schlussfolgern", "schlafwandeln" und andere.
Das besondere an diesen Zusammensetzungen ist nun, dass sie als Ganzes immer wie ein Verb behandelt werden.
Man erkennt sie z. B., wenn man sie konjugiert in einem Satz verwendet, am besten im Präsens (Gegenwart).
Ich schlussfolgere (und nicht etwa: ich folgere schluss...)
Ich bergsteige gerne (Problem hier: bergsteigen wird sehr selten so verwendet. Die Form ist aber korrekt. Es heißt nicht: Ich steige gerne berg)
Ich schlafwandele nie (und nicht etwa: ich wandele nie schlaf...)
Das einzige Problem hierbei ist eigentlich, dass man ein Verb in manchen Formen einfach nicht oft gebraucht (siehe bergsteigen) und man sich daher nicht sicher ist, ob es die Form so gibt. Aber das gilt ja letztendlich für alle Wörter, die man nicht kennt und somit liegt es nicht an den Rechtschreibregeln, wenn man hier unsicher ist.
>> TRENNBARE Zusammensetzungen
Das betrifft Fälle, in denen das Substantiv seine eigenständige Bedeutung verloren hat und eher als eine Art Verbpartikel angesehen wird. Was Verbpartikel sind, steht weiter unten bei XXXXXXX.
Beispiele hierfür sind:
eislaufen, teilnehmen, heimsuchen, stattfinden,...
Es gibt nicht allzu viele davon, man findet irgendwo sicher eine komplette Liste. Das Substantiv "teil" in "teilnehmen" hat seine eigentliche Bedeutung von Teil/Stück verloren. Man nimmt ja nicht wirklich einen Teil einer Sache, sondern es handelt sich hier um eine übertragene Bedeutung. Ebenfalls bei "heim": Es handelt sich hierbei nicht um das Heim, das Zuhause...
Zwei Tests gibt es dafür. Versucht, einen Artikel oder ein Adjektiv zu benutzen - das funktioniert in diesen Fällen nämlich nicht
- Ich würde gerne das Eis laufen -> das geht nicht
- Ich würde gerne das kleine Heim suchen -> ginge theoretisch, dann hätte "Heim" hier aber die wörtliche Bedeutung von "Zuhause" oder "Haus" und es wäre ein anderer Fall
Also, diese Zusammensetzungen aus Substantiv und Verb sind trennbar, d. h. sie werden im Infinitiv, den beiden Partizipien und in Nebensätzen mit Verb-Endstellung zusammengeschrieben, sonst getrennt.
Ich nahm daran teil. (getrennt, weil 1. Pers. Präsens)
Ich würde gerne daran teilnehmen. (zusammen, weil Infinitiv)
Ich habe daran teilgenommen. (zusammen, weil Partizip Perfekt)
Die teilnehmenden Mitglieder sollen bitte... (zusammen, weil Partizip Präsens)
Ich bezahle nichts, weil ich nicht daran teilnehme. (zusammen, weil Nebensatz (ab dem "weil) mit Verb-Endstellung)
TRENNBAR UND UNTRENNBARE Zusammensetzung
Nun gibt es eine Reihe von Zusammensetzungen, bei denen aus dem aktuellen Sprachgebrauch, also aus der Beobachtung, wie die Menschen hier gerade so reden, noch nicht eindeutig gesagt werden kann, welche Verwendungsweise sich mal durchsetzt.
Beispiele hierfür sind:
Dank sagen/danksagen, Gewähr leisten/gewährleisten,...
Man kan diese Verben auf zweierlei Art verwenden:
Wir gewährleisteten... / Wir leisteten Gewähr...
Wir danksagten... / Wir sagten Dank...
Beide Formen sind korrekt. Es wird sich im Laufe der Zeit sicherlich eine der beiden Formen durchsetzen.
Wichtig ist hierbei, dass, wenn ich mich z. B. für "gewährleisten" mit der Zusammenschreibung entscheide, die Verben auch immer zusammengeschrieb werden, wie die untrennbaren Zusammensetzungen. D. h.
Ich gewährleiste... (und nicht: ich leiste gewährt...)
Will man getrennt schreiben, dann muss man Gewähr groß schreiben, weil man sich dann quasi dafür entscheided, es als eigenständiges Substantiv zu sehen. Sollte eines dieser Substantive im Laufe der Zeit seine wörtliche Bedeutung einbußen, wie z. B, "teil" bei "teilnehmen", dann müsste man es klein schreiben.
ACHTUNG AUSNAHMEN:
Es gibt drei Fälle (zumindest werdenn immer diese drei angeführt) bei denen es noch eine Besonderheit gibt.
achtgeben / Acht geben
maßhalten / Maß halten
haltmachen / Halt machen
Hier ist es so, dass wie im Punkt oben drann, der Sprecher/Schreiber wählen kann, wie er schreibt. Entscheidet er sich für die Zusammenschreibung (achtgeben) handelt es sich aber nicht um eine untrennbare Zusammensetzung (wie bei gewährleisten), sondern um eine trennbare (wie bei "teilnehmen").
Es heißt also: Ich gebe acht / ich gebe Acht.
So, das wars eigentlich schon. Noch mal ein paar Beispiele:
1) Ich würde gerne Probe fahren (auseinander, weil jkeine der Abweichungen vorliegt. "Probe" ist hier in wörtlicher Bedeutung gebraucht, es bildet keine untrennbare Zusammensetzung, sonst hieße es z. B. "ich probefahre gerne" und es liegt auch kein Zweifelsfall vor, wie etwa bei "gewährleisten/Gewähr leisten")
2) Ich bin immer viel Rad gefahren -> selbe Begründung wie bei Probe fahren
3) Ich staubsauge gerne / Ich sauge gerne Staub (siehe "gewährleisten / Gewähr leisten" - der aktuelle Sprachgebrauch zeigt, dass beides verwendet wird)
Gut, soweit erstmal dazu.
XXXXXXX
Verbpartikel sind eigentlich Bestandteile eines Verbs, die aussehen wie Präpositionen oder Adverbien oder die überhaupt nicht selbständig vorkommen.
Aussehen wir Präpositionen:
ab-, auf-, zu-, mit-,... und andere, Listen gibt es im Internet.
Aussehen wie Adverbien
hervor-, herunter-, aufwärts-, zusammen-,... und andere, Listen gibts im Internet.
Kommen alleine nicht vor
fehl-, anheim-, irre-,... und andere, Listen gibts im Internet.
Das besondere an diesen Verbpartikel ist nun, dass sie mit dem Verb eine trennbare Verbindung eingehen.
D. h., man sagt z.B.
Ich nehme ab
Ich nehme zu
Ich komme mit
Ich komme hervor
Ich falle anheim...
Bei der Getrennt- und Zusammenschreibung ist es nun wichtig, dass es eben auch Substantive gibt, die schon fast wie solche Partikel angesehen werden können, die verblassten Substantive, wie "teil" in "teilnehmen" etwa...
Ich habe schon enige Tutorials zu diesem Thema gesehen, aber ich finde, sie alle schreiben immer genauso kryptisch wie der Dudenverlag selbst. Darum möchte ich mit diesem Tutorial (auch zur eigenen Praxis) versuchen, das Ganze etwas genauer zu beleuchten. (Und ganz klar: Ich bin auch nicht über jeden Fehler erhaben.)
Die Getrennt- und Zusammenschreibung ist dabei eines der Themen, das sicherlich am meisten Probleme macht. Deswegen fange ich damit an.
Ich unterteile das Ganze nach Wortarten.
SUBSTANTIV + VERB:
- Die Grundregel lautet: alles wird auseinandergeschrieben.
Davon gibt es ein paar Abweichungen, die nun beschrieben werden.
Verben können mit Substantiven untrennbare und trennbare Zusammensetzungen bilden.
- Untrennbar bedeutet, dass unabhängig von der Position im Satz, die Reihenfolge der einzelnen Bestandteile immer gleich ist.
- Trennbar bedeutet NICHT getrennt. Es bedeutet, dass bei diesen Verben nur im Infinitiv, den beiden Partizipformen und in Nebensätzen mit Verb-Endstellung zusammengeschrieben wird, sonst aber getrennt.
Was das Alles heißt, erkläre ich nun genauer.
UNTRENNBARE Zusammensetzungen:
Das sind Verben, wie "bergsteigen", "brandmarken", "schlussfolgern", "schlafwandeln" und andere.
Das besondere an diesen Zusammensetzungen ist nun, dass sie als Ganzes immer wie ein Verb behandelt werden.
Man erkennt sie z. B., wenn man sie konjugiert in einem Satz verwendet, am besten im Präsens (Gegenwart).
Ich schlussfolgere (und nicht etwa: ich folgere schluss...)
Ich bergsteige gerne (Problem hier: bergsteigen wird sehr selten so verwendet. Die Form ist aber korrekt. Es heißt nicht: Ich steige gerne berg)
Ich schlafwandele nie (und nicht etwa: ich wandele nie schlaf...)
Das einzige Problem hierbei ist eigentlich, dass man ein Verb in manchen Formen einfach nicht oft gebraucht (siehe bergsteigen) und man sich daher nicht sicher ist, ob es die Form so gibt. Aber das gilt ja letztendlich für alle Wörter, die man nicht kennt und somit liegt es nicht an den Rechtschreibregeln, wenn man hier unsicher ist.
>> TRENNBARE Zusammensetzungen
Das betrifft Fälle, in denen das Substantiv seine eigenständige Bedeutung verloren hat und eher als eine Art Verbpartikel angesehen wird. Was Verbpartikel sind, steht weiter unten bei XXXXXXX.
Beispiele hierfür sind:
eislaufen, teilnehmen, heimsuchen, stattfinden,...
Es gibt nicht allzu viele davon, man findet irgendwo sicher eine komplette Liste. Das Substantiv "teil" in "teilnehmen" hat seine eigentliche Bedeutung von Teil/Stück verloren. Man nimmt ja nicht wirklich einen Teil einer Sache, sondern es handelt sich hier um eine übertragene Bedeutung. Ebenfalls bei "heim": Es handelt sich hierbei nicht um das Heim, das Zuhause...
Zwei Tests gibt es dafür. Versucht, einen Artikel oder ein Adjektiv zu benutzen - das funktioniert in diesen Fällen nämlich nicht
- Ich würde gerne das Eis laufen -> das geht nicht
- Ich würde gerne das kleine Heim suchen -> ginge theoretisch, dann hätte "Heim" hier aber die wörtliche Bedeutung von "Zuhause" oder "Haus" und es wäre ein anderer Fall
Also, diese Zusammensetzungen aus Substantiv und Verb sind trennbar, d. h. sie werden im Infinitiv, den beiden Partizipien und in Nebensätzen mit Verb-Endstellung zusammengeschrieben, sonst getrennt.
Ich nahm daran teil. (getrennt, weil 1. Pers. Präsens)
Ich würde gerne daran teilnehmen. (zusammen, weil Infinitiv)
Ich habe daran teilgenommen. (zusammen, weil Partizip Perfekt)
Die teilnehmenden Mitglieder sollen bitte... (zusammen, weil Partizip Präsens)
Ich bezahle nichts, weil ich nicht daran teilnehme. (zusammen, weil Nebensatz (ab dem "weil) mit Verb-Endstellung)
TRENNBAR UND UNTRENNBARE Zusammensetzung
Nun gibt es eine Reihe von Zusammensetzungen, bei denen aus dem aktuellen Sprachgebrauch, also aus der Beobachtung, wie die Menschen hier gerade so reden, noch nicht eindeutig gesagt werden kann, welche Verwendungsweise sich mal durchsetzt.
Beispiele hierfür sind:
Dank sagen/danksagen, Gewähr leisten/gewährleisten,...
Man kan diese Verben auf zweierlei Art verwenden:
Wir gewährleisteten... / Wir leisteten Gewähr...
Wir danksagten... / Wir sagten Dank...
Beide Formen sind korrekt. Es wird sich im Laufe der Zeit sicherlich eine der beiden Formen durchsetzen.
Wichtig ist hierbei, dass, wenn ich mich z. B. für "gewährleisten" mit der Zusammenschreibung entscheide, die Verben auch immer zusammengeschrieb werden, wie die untrennbaren Zusammensetzungen. D. h.
Ich gewährleiste... (und nicht: ich leiste gewährt...)
Will man getrennt schreiben, dann muss man Gewähr groß schreiben, weil man sich dann quasi dafür entscheided, es als eigenständiges Substantiv zu sehen. Sollte eines dieser Substantive im Laufe der Zeit seine wörtliche Bedeutung einbußen, wie z. B, "teil" bei "teilnehmen", dann müsste man es klein schreiben.
ACHTUNG AUSNAHMEN:
Es gibt drei Fälle (zumindest werdenn immer diese drei angeführt) bei denen es noch eine Besonderheit gibt.
achtgeben / Acht geben
maßhalten / Maß halten
haltmachen / Halt machen
Hier ist es so, dass wie im Punkt oben drann, der Sprecher/Schreiber wählen kann, wie er schreibt. Entscheidet er sich für die Zusammenschreibung (achtgeben) handelt es sich aber nicht um eine untrennbare Zusammensetzung (wie bei gewährleisten), sondern um eine trennbare (wie bei "teilnehmen").
Es heißt also: Ich gebe acht / ich gebe Acht.
So, das wars eigentlich schon. Noch mal ein paar Beispiele:
1) Ich würde gerne Probe fahren (auseinander, weil jkeine der Abweichungen vorliegt. "Probe" ist hier in wörtlicher Bedeutung gebraucht, es bildet keine untrennbare Zusammensetzung, sonst hieße es z. B. "ich probefahre gerne" und es liegt auch kein Zweifelsfall vor, wie etwa bei "gewährleisten/Gewähr leisten")
2) Ich bin immer viel Rad gefahren -> selbe Begründung wie bei Probe fahren
3) Ich staubsauge gerne / Ich sauge gerne Staub (siehe "gewährleisten / Gewähr leisten" - der aktuelle Sprachgebrauch zeigt, dass beides verwendet wird)
Gut, soweit erstmal dazu.
XXXXXXX
Verbpartikel sind eigentlich Bestandteile eines Verbs, die aussehen wie Präpositionen oder Adverbien oder die überhaupt nicht selbständig vorkommen.
Aussehen wir Präpositionen:
ab-, auf-, zu-, mit-,... und andere, Listen gibt es im Internet.
Aussehen wie Adverbien
hervor-, herunter-, aufwärts-, zusammen-,... und andere, Listen gibts im Internet.
Kommen alleine nicht vor
fehl-, anheim-, irre-,... und andere, Listen gibts im Internet.
Das besondere an diesen Verbpartikel ist nun, dass sie mit dem Verb eine trennbare Verbindung eingehen.
D. h., man sagt z.B.
Ich nehme ab
Ich nehme zu
Ich komme mit
Ich komme hervor
Ich falle anheim...
Bei der Getrennt- und Zusammenschreibung ist es nun wichtig, dass es eben auch Substantive gibt, die schon fast wie solche Partikel angesehen werden können, die verblassten Substantive, wie "teil" in "teilnehmen" etwa...
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